KI-gestützte Inhaltskennzeichnung ab August 2026: Was bedeuten die neuen Regeln für Online-Shops?
07.08.2026
« Zurück zu den ArtikelnKennzeichnung von KI-Inhalten ab August 2026: Was bedeutet das für E-Shops?
Ab August 2026 gelten in der EU neue Regeln für die Kennzeichnung von Inhalten, die mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt wurden. Was bedeuten sie konkret für E-Shops und welche KI-Inhalte müssen tatsächlich gekennzeichnet werden?


Neue Regeln für KI-Inhalte
Künstliche Intelligenz ist heute ein alltäglicher Bestandteil der Erstellung von Texten, Bildern und weiteren Inhalten. Ab dem 2. August 2026 gelten in der Europäischen Union jedoch neue Transparenzregeln gemäß Artikel 50 des KI-Gesetzes.
Die Regeln konzentrieren sich vor allem auf Situationen, in denen eine Person KI-Inhalte mit echten Inhalten verwechseln könnte oder in denen KI die Öffentlichkeit über wichtige gesellschaftliche Themen informiert.
Was muss nach dem KI-Gesetz gekennzeichnet werden?
Die Pflichten unterscheiden sich je nachdem, wer das KI-System bereitstellt und wer es nutzt. Anbieter generativer KI-Systeme müssen sicherstellen, dass generierte oder bearbeitete Inhalte erkennbar sind, und zwar mithilfe einer maschinenlesbaren Kennzeichnung.
Unternehmen und andere professionelle KI-Nutzer müssen in bestimmten Fällen auch die Person direkt informieren, die den Inhalt sieht. Dies betrifft insbesondere Deepfake-Bilder, -Videos und -Tonaufnahmen sowie bestimmte KI-Texte, die die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren. Bei interaktiven KI-Systemen, beispielsweise Chatbots, muss der Anbieter den Nutzer außerdem darüber informieren, dass er mit einer KI kommuniziert, sofern dies nicht bereits aus den Umständen ersichtlich ist.
Muss ein E-Shop jede mit KI erstellte Produktbeschreibung kennzeichnen?
Nein. Das KI-Gesetz führt keine allgemeine Regel ein, nach der jeder mit KI erstellte Text eine Kennzeichnung wie „Mit KI erstellt“ enthalten müsste.
Die Pflicht zur sichtbaren Kennzeichnung von KI-Texten betrifft Texte, die zum Zweck der Information der Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse veröffentlicht werden. Die Europäische Kommission zählt dazu beispielsweise Politik, öffentliche Sicherheit, öffentliche Gesundheit, Umweltschutz oder bedeutende wirtschaftliche, wissenschaftliche oder kulturelle Entwicklungen. Übliche Produktbeschreibungen, Kategoriebeschreibungen oder Marketingtexte fallen daher in der Regel nicht unter diese konkrete Pflicht, sofern ihr Zweck nicht darin besteht, die Öffentlichkeit über eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse zu informieren.

Was man wissen sollte
Auch bei einem Text über eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse ist eine Kennzeichnung möglicherweise nicht erforderlich, wenn er einer tatsächlichen menschlichen Kontrolle oder einem redaktionellen Prozess unterzogen wurde und eine bestimmte Person oder ein bestimmtes Unternehmen die redaktionelle Verantwortung für seine Veröffentlichung trägt. Eine bloße Rechtschreibprüfung gilt nach Ansicht der Kommission jedoch nicht als ausreichende menschliche Kontrolle.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen KI-Bilder
Bei Bildern ist die Situation etwas anders. Das KI-Gesetz verwendet den Begriff Deepfake nicht nur für gefälschte Fotografien von Menschen. Es kann sich auch um ein mithilfe von KI erstelltes oder bearbeitetes Bild eines bestehenden Objekts, Ortes, Ereignisses oder eines anderen Wesens handeln, sofern es auf eine Person authentisch oder wahrheitsgetreu wirken kann.
Für E-Shops kann dies beispielsweise bei der Erstellung realistischer Lifestyle-Fotografien mithilfe von KI relevant sein. Die Europäische Kommission nennt als eines der Beispiele die authentische Fotografie einer leeren Wohnung, die anschließend mithilfe von KI realistisch mit Möbeln ausgestattet wurde. Solche Inhalte können als teilweise KI-bearbeitete Inhalte einzustufen sein, die transparent gekennzeichnet werden müssen. Es kommt jedoch immer auch auf den konkreten Kontext und darauf an, ob der Kunde das resultierende Bild als authentische Darstellung der Realität betrachten kann.
Was bedeutet das für E-Shops?
Wenn Sie mithilfe von KI übliche Produktbeschreibungen, Kategoriebeschreibungen oder weitere Inhalte des E-Shops erstellen, bedeutet die neue Gesetzgebung nicht automatisch, dass jeder Text mit einem Hinweis versehen werden muss, dass er mithilfe von KI erstellt wurde.
Besondere Aufmerksamkeit sollte vor allem realistischen KI-Bildern und weiteren Inhalten gewidmet werden, die ein Kunde für eine authentische Fotografie eines tatsächlichen Produkts, Ortes oder einer tatsächlichen Situation halten könnte. Bei solchen Inhalten muss geprüft werden, ob sie nicht die Definition eines Deepfakes erfüllen und ob der Kunde daher über den Einsatz von KI informiert werden muss.
Inhalte, die vor dem 2. August 2026 generiert und veröffentlicht wurden, müssen laut Europäischer Kommission außerdem nicht rückwirkend gekennzeichnet werden.

Wie kann eine Kennzeichnung aussehen?
Die Europäische Union hat außerdem ein Set von Symbolen zur Kennzeichnung von KI-Inhalten erstellt. Ihre Verwendung ist freiwillig, und Unternehmen können auch eine andere Methode wählen, sofern sie die Anforderungen des KI-Gesetzes erfüllt.
Wenn die Kennzeichnungspflicht für einen bestimmten Inhalt gilt, müssen die Informationen für den Menschen klar und erkennbar spätestens bei der ersten Anzeige des Inhalts sein. Eine rein technische, in der Datei versteckte Information reicht daher beispielsweise bei Deepfake-Inhalten nicht aus.
Die neuen Regeln bedeuten daher nicht das Ende von KI-Inhalten in E-Shops und auch nicht die Notwendigkeit, alles zu kennzeichnen, bei dessen Erstellung KI geholfen hat. Wichtiger wird es sein zu wissen, welche Art von Inhalt mithilfe von KI entsteht, wie er auf den Kunden wirken kann und ob er zu den Fällen gehört, auf die sich die Transparenzpflichten nach dem KI-Gesetz tatsächlich beziehen.
Quellen: heur-lex.europa.eu, digital-strategy.ec.europa.eu, asociace.ai

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